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Vor dem Hintergrund der
aktuellen Diskussion um die Einführung des so genannten
Arbeitslosengeldes II haben PDS-Landesvorsitzender Peter
Ritter und Arbeitsminister Helmut Holter vor „...einem mit
Hartz IV verbundenen hohen Armutsrisiko für die betroffenen
Menschen in Mecklenburg-Vorpommern“ gewarnt.
Peter Ritter und
Helmut Holter warnen vor Armutsrisiko bei Hartz IV
Vor der Sitzung des
PDS-Landesvorstandes am Sonnabend (15. Mai 2004) in Teterow
erklärten sie, „...das beste wäre es, den Zeitpunkt der
Einführung, 1. Januar 2005, nicht nur zu verschieben, sondern
ein besseres Gesetz vorzulegen“. Dieses Gesetz sollte nach
Auffassung der beiden PDS-Politiker auch die Interessen der
Kommunen und die Strukturentwicklung im Lande stärker berücksichtigen.
„Sonst wird auch mit dieser Hartz-Komponente kein einziger
Arbeitsplatz geschaffen, sondern Menschen tausendfach in die
Armut gestürzt“, so Ritter und Holter.
In
Mecklenburg-Vorpommern hat die Langzeitarbeitslosigkeit
dramatisch zugenommen. Im vergangenen Monat waren fast 75.000
Frauen und Männer länger als ein Jahr ohne Job – annähernd
9.000 mehr als noch vor einem Jahr. Derzeit leben im Land rund
117.000 Menschen von Arbeitslosenhilfe, rund 64.000 sind auf
Sozialhilfe angewiesen. Wird Hartz IV angewandt, verliert nach
Schätzung der Gewerkschaften ein Drittel der Hilfebezieher
jeden Anspruch auf eine Leistung.
In der Perspektive würden
in Mecklenburg-Vorpommern 130.000 bis 150.000 Menschen
Arbeitslosengeld II, also 331 Euro im Monat, erhalten.
Gleichzeitig wären sie gezwungen, zu jedem Preis jede legale
Arbeit anzunehmen. „Wir brauchen aber kein staatlich gefördertes
Lohndumping, sondern ein breites Bündnis für Arbeit,
Ansiedlung und Aufträge, wie es die PDS in ihrem
Innovationsprojekt Ost vorgeschlagen hat", unterstrichen
Ritter und Holter.
Beide Politiker
erteilten auch einer Diskussion über Niedriglöhne eine klare
Absage: „Niedrige Löhne sind ein Wettbewerbsvorteil, aber
kein entscheidender. Wenn es anders wäre, dann müsste der
Nordosten der Bundesrepublik eine boomende Region sein.
Billiglöhne sind nur ein sehr flüchtiger Vorteil. Irgendwo
werden immer niedrigere Löhne gezahlt. Wenn nicht in Rumänien,
dann in China. Einen Niedriglohnwettbewerb können ostdeutsche
Unternehmen nicht gewinnen. Da sind sie immer zweiter Sieger.
Immer die Hasen, nie die Igel.“
Bei einer auf
Innovation orientierten Strategie für den Osten sieht das
anders aus. Da stehen die Chancen gut. Hier leben und arbeiten
Menschen, die tief greifende politische, ökonomische,
kulturelle Neuerungen erfahren und gemeistert haben. Sie sind
gut ausgebildet und innovativ. Noch. Wer ihnen Niedriglöhne
verordnet, der gibt eine Abwanderungsempfehlung.
Arbeitsminister Helmut
Holter abschließend: „Alle Beispiele des Aufschwungs in
Westeuropa haben eins gemeinsam: Sie sind nicht nur auf
Innovationen orientiert, sondern auch Ergebnis politisch
gestalteter und gesellschaftlich gewollter Arrangements –
regionaler Allianzen der Vernunft. So war es in Irland, so
wurde es mir in Holland oder Dänemark berichtet. Kein
Niedriglohngebiet, nirgends.“
Für Peter Ritter wird
deutlich, „Deutschland ist nach den USA das Land der Welt
mit den meisten Milliardären. Toll! Zugleich aber werden in
Deutschland auch Löhne gezahlt, die nicht armutssicher sind.
Das ist nicht nur unanständig, es ist sozial ungerecht und
wirtschaftlich kontraproduktiv. Wer mit Gastwirten oder Händlern
spricht, an Tankstellen oder an Fahrkartenschaltern steht, der
hört das eigentliche Urteil der Sachverständigen. Die Leute
sparen sich nämlich die Konjunktur. Sie haben nichts in der
Tasche oder halten sie zu. Es ist etwas faul im Land der fleißigen
Leute.“
Schwerin, 14. Mai 2004
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