|
Der
Landesvorsitzende der PDS Mecklenburg-Vorpommern, Peter
Ritter, erklärt:
Kotau
vor der Lobby der Pharmaindustrie und den Machtstrukturen
Die
großen Erwartungen an die Gesundheitsreform hat sich nicht
erfüllt. Versprochen waren das Schreiben von Sozialgeschichte
und eine Reform, die Bestand hat vor der Herausforderung der
Zukunft. Eingegriffen werden sollte in die Struktur der
Gesundheitsversorgung, um den demografischen Veränderungen
und den Herausforderungen der wissenschaftlich-technischen
Entwicklung gewachsen zu sein.
Herausgekommen
ist nach monatelangem Tauziehen mit den Lobbyisten der
Pharmaindustrie und den verschiedenen Interessengruppen ein
Formelkompromiss zwischen SPD und CDU, unter Beteiligung von
Grünen und FDP, der zu Lasten vor allem der Versicherten
geht. Wir stellen fest: Diese Reform ist nicht zukunftsfähig.
Diese Reform wird nicht eine qualitativ hochwertige
medizinische Versorgung für alle Versicherten gewährleisten.
Diese Reform wird nicht die Zwei-Klassen-Medizin beseitigen.
Diese Reform wird nicht die solidarische Wettbewerbsordnung
weiter entwickeln und Bürokratie abbauen. Vor allem ist diese
Reform aber weder sozial gerecht, noch erfolgt eine
ausgewogene Lastenverteilung. Hier ist ein Pakt gegen die
Versicherten und gegen die Kranken geschlossen worden. Veränderungen
sind jetzt noch dringend notwendig.
Unsere
Kritikpunkte im einzelnen sind:
-
die Herauslösung von Zahnersatzleistungen und
Krankengeld aus der solidarischen Finanzierung. Anscheinend
wurde in den Verhandlungen das von der Gesundheitsministerin
geliebte Institut für Qualitätssicherung im Tausch für die
Privatisierung des Zahnersatzes eingehandelt. Wir befürworten
das Institut, aber nicht zu einem solchen Preis.
-
Gewinner des Kompromisses sind vor allem die
Pharmaindustrie und die Lobbyisten einer ineffizienten
Struktur des Gesundheitswesens. Der Verzicht auf die
Positivliste heißt, dass die Zeche der überhöhten
Arzneimittelkosten die Verbraucher zahlen.
-
dass die Zuzahlungsregelungen vor allem die Kranken
belasten. Steuernde Wirkung wird von diesen Zuzahlungen
allerdings auch nicht ausgehen. Da Mecklenburg-Vorpommern die
niedrigsten Pro-Kopf-Einkommen aller Bundesländer und die
geringste Besiedlungsdichte hat, sind die Zuzahlungsregelungen
vielfach unzumutbare Belastungen für die Kranken.
-
Veränderungen der Struktur der Gesundheitsversorgung
als Basis dauerhaft-effizienter Leistungserbringung sind nicht
gelungen. Die Macht der Kassenärztlichen Vereinigungen bleibt
ungebrochen, ebenso wie die kostentreibende Struktur der
Krankenkassen nicht wirklich angegriffen wird. Die Ansätze zu
strukturellen Veränderungen bei der integrierten Versorgung
der Teilöffnung der Krankenhäuser und den medizinischen
Versorgungszentren sind viel zu schwach ausgeprägt.
Die
PDS Mecklenburg-Vorpommern hält nach wie vor an ihren grundsätzlichen
Positionen zur Reform des Gesundheitswesens fest. Sie fordert
weiterhin die Beibehaltung der paritätischen Finanzierung der
Gesetzlichen Krankenversicherung und die Ausweitung des
Solidarprinzips unter Einbeziehung aller Bevölkerungsgruppen
in die GKV bei Aufgabe der Beitragsbemessungsgrenze und der
Versichertenpflichtgrenze. Wir brauchen eine wirkliche
Strukturreform, die Ineffizienz innerhalb der
Gesundheitsversorgung nachhaltig beseitigt. Medizinische
Versorgungszentren und integrierte Versorgung brauchen einen
weitaus höheren Stellenwert.
Beseitigt
werden muss die soziale Schieflage bei der Sanierung der
Finanzen der GKV. Die enorme Verschiebung zu Lasten von
Patienten und Versicherten werden die Probleme im
Gesundheitswesen nicht lösen.
Die
Verbindung von Qualität in der medizinischen Versorgung und
Wirtschaftlichkeit des Gesundheitswesens ist möglich,
allerdings nur, wenn nicht vor Veränderungen in den
Machtstrukturen zurückgeschreckt wird.
Schwerin,
23.07.2003
|