PETER RITTER    

Gemeinsame Erklärung des PDS-Landesvorsitzenden Peter Ritter und der Vorsitzenden der PDS-Landtagsfraktion Angelika Gramkow zu fünf Jahre PDS in Regierungsverantwortung in Mecklenburg-Vorpommern: 

Verantwortungsbewusst und realistisch

 

Die PDS in Mecklenburg-Vorpommern ist 1998 angetreten, neue Wege in der Politik zu gehen. Wir wollten nicht nur einen Regierungswechsel, sondern einen Politikwechsel. Wir sind angetreten für eine Politik, die die Lebensverhältnisse der Einwohnerinnen und Einwohner unseres Landes verbessert. Für eine Politik, die sich durch transparente, verantwortungsbewusste und realistische Entscheidungen auszeichnet, eine Politik, die konsequent die Interessen der Menschen unseres Landes vertritt – sozial gerecht, ökologisch orientiert und berechenbar. 

Wir – die Mannschaft aus Landes-PDS, der PDS-Landtagsfraktion und der PDS-Ministerinnen und -Minister – haben in den vergangenen fünf Jahren bewiesen, dass wir politikfähig sind und Regierungsverantwortung wahrnehmen können.

Die PDS-Regierungsbeteiligung ist zunehmend sowohl innerhalb der Partei als auch in ihrer Wirkung nach außen als politische Option akzeptiert und untersetzt worden.

Wir haben dazu beigetragen, dass die Wirtschaftsförderung für kleine und mittelständische Unternehmen verstärkt wurde und ihre Investitionen gefördert werden.

Wir haben dazu beigetragen, dass die Arbeitsmarktpolitik regionalisiert und der Einstieg in den Öffentlich geförderten Beschäftigungssektor geschafft wurde.

Wir haben die Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen in der Kindertagesstätte und Schule weiter entwickelt, das dreigliedrige Schulsystem langfristig abgeschafft, ein modernes Hochschulgesetz entwickelt.

Wir haben die Beziehung von Land und Kommunen fair ausgestaltet.

Wir haben konsequent für Demokratie und Toleranz gekämpft und die Lebensbedingungen für bei uns lebende Ausländerinnen und Ausländer verbessert.

Wir haben die sozialen Standards, für die das Land verantwortlich zeichnet, erhalten und ausgebaut.

Wir haben eine nachhaltige ökologische Entwicklung vorangetrieben.

Wir haben die demokratische Teilhabe von Bürgerinnen und Bürgern im Land weiter entwickelt.

Wir pflegten und pflegen einen transparenten, kommunikativen und ehrlichen Politikstil. 

Dennoch konnten wir die hohen Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger, von Vereinen und Verbänden, Unternehmerinnen und Unternehmern, aber auch Gewerkschaften nach schnellen Verbesserungen nicht in vollem Umfang erfüllen. Die Wahlniederlage 2002 zeigt dies deutlich. Insbesondere im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit, der wichtigsten Aufgabe in der Regierungskoalition, sind wir nicht wesentlich vorangekommen.  

Seit 2001 haben sich durch die Entscheidungen der Bundesregierung – Reduzierung der aktiven arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, verfehlte Steuerpolitik, fehlende zusätzliche Investitionsbereitschaft in den ostdeutschen Ländern – die Bedingungen drastisch zum Negativen verändert. Handlungsspielräume für eigenständige Politik in Mecklenburg-Vorpommern wurden immer enger.  

Eine Konsequenz daraus ist, dass der bislang erfolgreiche Konsolidierungskurs des Landes gestoppt wurde. Massive Einnahmeausfälle bestimmen das Bild. Mit der „Agenda 2010“ erhält auch Mecklenburg-Vorpommern eine schallende Ohrfeige. Sozialabbau ist an der Tagesordnung. Besonders Themen wie Gesundheit, Arbeit und Beschäftigung sowie Rente bewegen die Menschen, sind aber landespolitisch nur sehr bedingt beeinflussbar. Der Osten, so auch Mecklenburg-Vorpommern, steht 14 Jahre nach der Wende auf der Kippe.  

Deshalb wird die PDS in Mecklenburg-Vorpommern überall – ob auf der Straße, im Parlament oder im Kabinett – ihr Profil weiter schärfen. Sie steht für soziale Gerechtigkeit und die Umverteilung von Oben nach Unten.

Wir bieten machbare Alternativen.   

Es ist und bleibt auch unter den gegebenen Bedingungen die Aufgabe der PDS, die Koalitionsvereinbarung mit der SPD umzusetzen. Die Zusammenarbeit zwischen PDS- und SPD-Fraktion gestaltet sich dabei kollegial, aber nicht immer spannungsfrei.  

Eine zentrale Aufgabe in der laufenden Legislaturperiode ist die Umsetzung der Verwaltungs- und Funktionalreform in Mecklenburg-Vorpommern. Ziel muss es sein, Verwaltung noch bürgernäher und Strukturen effizienter zu gestalten sowie die kommunale Selbstverwaltung und demokratischen Mitbestimmungsrechte zu stärken. Die PDS engagiert sich seit 1994, die Fehler der damaligen Kreisgebietsreform zu beseitigen und fordert seitdem eine Funktionalreform von der Landes- bis zur kommunalen Ebene ein.  

Investitionen in die Köpfe war für die PDS immer wichtiger als Investitionen in Beton. Deshalb erweitern wir das Angebot der Ganztagsschulen, deshalb stellen wir mehr Mittel für Bildung und Erziehung in den Kindertagesstätten, für ein Vorschuljahr zum Beispiel 7 Millionen Euro, zur Verfügung – damit Bildung früher beginnt, für einen chancengleichen Zugang zu Schule und Bildung. Deshalb wird es mit der PDS auch keine Studiengebühren geben.  

Für die PDS und ihre Fraktion hat sich die intensive außerparlamentarische Arbeit mit Verbänden, Vereinen, den Gewerkschaften und Kirchen bewährt. 

Mit PDS in Regierungsverantwortung haben wir u.a. erreicht: 

  • Vorschuljahr in den Kindertagesstätten eingeführt
  • 12-Jahres-Abitur
  • Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems
  • Mehr Mathe und Deutsch in der Schule
  • 25 Mio Euro für Mulitmedia-Initiative an den Schulen
  • Modernes Hochschulgesetz verabschiedet
  • Qualifizierung im Erziehungsurlaub
  • 5 Tage Bildungsfreistellung in Mecklenburg-Vorpommern
  • Olympiaförderung ausgestaltet, Sportfördergesetz verabschiedet
  • Restauratorengesetz
  • neue Finanzierungskonzepte für kleine und mittelständische Unternehmen
  • den Einstieg in den ÖBS – Jugendschulsozialarbeiterprogramm
  • ein europaweit anerkanntes Arbeitsmarkt- und Strukturentwicklungsprogramm (ASP)
  • Förderung von Jugendfirmen
  • Ausbau der Bahnstrecke zwischen Rostock und Berlin sowie den vorzeitigen Ausbau von fünf Ortsumgehungen im Land
  • Konversion als Wirtschaftsförderung
  • Integrationsförderrat gegründet
  • Krankenhausstandorte erhalten
  • Härtefallkommission, Residenzpflicht gelockert, Bargeld statt Gutscheine
  • Barrierefreies Bauen im Baurecht
  • Beratungslandschaft stabilisiert
  • Sozialverträgliches Forstkonzept
  • Verbandsklage im Naturschutzrecht
  • Moorschutzkonzept, Wettbewerb in der Abfallwirtschaft, Klimaschutz und Solarinitiative gefördert
  • Wahlalter 16 Jahre eingeführt
  • Abschaffung der 5-Prozent-Klausel
  • Verankerung Konnexitätsprinzip in der Landesverfassung
  • Mindestgarantie im kommunalen Finanzausgleich
  • Investitionspauschale für Kommunen jährlich seit 1998 erhöht
  • Notwendige Haushaltskonsolidierung bei politischer Schwerpunktsetzung

Schwerin, 05. November 2003 

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