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Kreistag des Landkreises Demmin -
Fraktion DIE LINKE/Bündnis 90 Die Grünen
Sitzung des Kreistages vom 22. Februar
2010 - Rede zum TOP 7.1. Haushaltssatzung und Haushaltsplan
2010
Anrede,
Hinter uns liegt eine lange Debatte zur
Haushaltssatzung und Haushaltsplanung für das Jahr 2010.
Beseelt von dem Wunsch, rechtzeitig
Planungssicherheit zu schaffen, erhielten wir sehr frühzeitig
den ersten Entwurf durch unsere Kreisverwaltung.
Zu rechtzeitig, wie sich im Verlauf der
Debatte zeigen sollte. Die drei uns im laufe des Verfahrens
vorgelegten Änderungslisten sind dafür Beleg.
Die Novelle des FAG, die Einführung des
kommunalen Ausgleichfonds und der Jahresabschluss 2009 waren
u.a. Grundlagen für diese stetigen Veränderungen, mit denen
sich auch Fraktionen und Ausschüsse auseinander setzen
mussten.
Beim Haushalt für 2011, der vielleicht
unser letzter sein wird, sollten wir uns daher bis zur Vorlage
des ersten Entwurfs etwas mehr Zeit lassen.
Verfolgt man die Berichterstattungen über
die Haushaltsdebatte könnte man zu dem Eindruck kommen, es gäbe
nur eine wichtige Kennzahl- die Kreisumlage.
Dem ist aber nicht so. Allein die
Tatsache, das über 60% des Haushaltes für soziale Zwecke
ausgegeben werden müssen, beweist das.
Das sind Ausgaben Jugendhilfe, Jugend-
und Schulsozialarbeit, Ausgaben für Kosten der Unterkunft
usw. usf.
Hinzu kommen Ausgaben für den
Kreissportbund, die Musikschulen und Museen des Kreises, für
Kreisstraßen und natürlich die Beschäftigten der
Kreisverwaltung.
Alles dass, also Aufgaben des Kreises in
seinem eigenen Zuständigkeitsbereich und als Dienstleister für
die kreisangehörigen Kommunen, muss finanziert werden.
Wir alle wissen dabei um die
Finanzierungsquellen eines Kreishaushaltes. Anders als die
Kommunen kann der Kreis keine eigenen Steuern als
Einnahmequelle erheben.
So bleibt neben Bundes- und Landeszuschüssen
als Finanzierungsquelle eben
die Kreisumlage.
Und da sind wir bei dem ewigen
Streitthema in allen Landkreisen.
Und wir Kreistagsmitglieder geraten dabei
jedes mal in eine Zwickmühle.
Zu Beginn der Wahlperiode verpflichtet
uns der Kreistagspräsident unser Mandat im Interesse des
Landkreises auszuüben, also alle Belange des Kreises zum
Wohle des Kreises und seiner Einwohnerinnen und Einwohner zu
gestalten.
Daneben aber wohnen wir alle in einer
Kommune, viele von uns sind dort auch Bürgermeister oder
Gemeindevertreter, kennen die Erwartungshaltung und die
finanzielle Situation in der eigenen Kommune.
In dieser Situation ist es
nachvollziehbar, wenn man die Belastungen für die Kommunen so
gering wie möglich halten will.
Hilfreich für den Kreis in seiner
Aufgabenerfüllung ist dies aber nicht.
Und ob wir unserer Verantwortung hier als
Kreistagsmitglieder damit gerecht werden, muss bezweifelt
werden.
Der Landrat hat für den von ihm und
seiner Verwaltung vorgelegten Haushalt inclusive einer
Kreisumlage von 45 % geworben.
Ein Anliegen, dass meine Fraktion unterstützt.
Die CDU-Fraktion möchte die Kreisumlage
bei 44% beibehalten und unterbreitet einen entsprechenden
Vorschlag.
Das ist legitim.
Es ist aber auch legitim, dass man diesen
Antrag wegen Ungeeignetheit ablehnt.
Erstens schaut man sich verwundert die
Begründung an:
Dort heißt es: Die Einnahmen der
kreisangehörigen Gemeinden werden in den nächsten rückläufig
sein.
Da wundere ich mich zweimal:
Erstens: werden die Einnahmen des Kreises
in den nächsten Jahren nicht auch rückläufig sein?
Und zweitens:
Erklärt die CDU auf Landesebene im
Zusammenhang mit der FAG-Novelle und dem kommunalen
Ausgleichsfondsgesetz immer, sie hätte die Kommunalfinanzen
auf eine solide Grundlage gestellt. Was gilt denn nun, liebe
Kolleginnen und Kollegen?
Schauen wir uns ihren Antrag dann einmal
an:
Das schön klingende Ziel 44% Kreisumlage
beruht auf mindestens zwei Luftbuchungen:
Sie wollen im Bereich den
Schullastenausgleiches kürzen, dieser Schullastenausgleich
aber muss gezahlt werden.
Sie wollen beim Bußgeld 100.000 Euro
drauf satteln wissen aber nicht, ob das Geld wirklich fließt.
Um dieses Ziel zu erreichen müssen die
Autofahrer im Landkreis Demmin jetzt ordentlich Gas geben,
nachdem die ersten beiden Monate auf Grund der Witterung schon
nicht zum rasen und damit zum blitzen geeignet waren.
180.000 Euro sind in ihrer Rechnung also
nicht belastbar- und damit nicht beschließbar.
Bleibt als Hauptposten die Entnahme von
325.000 Euro aus der Rücklage.
Auch meine Fraktion will die Rücklage
auf Null stellen.
Ich will an dieser Stelle erwähnen, dass
wir zunächst der Bildung einer Rücklage aufgeschlossen gegenüber
standen.
Auch dass Land kann sich ja eine Rücklage
von über 400 Mio Euro genehmigen, ohne die Kommunen daran zu
beteiligen. Protest gegen dieses Verhalten hörte ich von der
CDU-Kreistagsfraktion dagegen nicht.
Wir dagegen haben uns mit den Bedenken
der kreisangehörigen Kommunen auseinandergesetzt und teilen
die Auffassung, dass die Bildung einer Rücklage und die Erhöhung
der Kreisumlage schlecht zusammen passen.
Wir schlagen vor, Mittel aus der Rücklage
zu nutzen, um die erfolgreiche und notwendige Arbeit der
PASST-Agentur weiter führen zu können, die Zuschüsse für
Kosten der Unterkunft zu erhöhen, die Ausgaben für den Straßenwinterdienst
aufzustocken und Möglichkeiten für die Schülerbeförderung
im Zusammenhang mit der demnächst möglichen freien Schulwahl
zu schaffen.
Durch diese Vorschläge verschwindet das
Geld nicht anonym in der allgemeinen Finanzmasse, sondern
durch diese Vorschläge werden konkrete Vorhaben möglich, für
die der Kreis und wir als Kreistagsabgeordnete Verantwortung
tragen.
Ich bitte deshalb um Zustimmung zu
unserem Anträgen.
Anrede,
egal aber, wie die Entscheidungen heute
getroffen werden, steht eins fest:
wir werden uns bald mit einem
Nachtragshaushalt beschäftigen müssen, denn
eine Besserung der Finanzausstattung der Kommunen ist
nicht zu erwarten. Und die Erfahrung aus dem Demminer Kreistag
lehrt uns, dass die nächsten Erhöhungen der Kreisumlage
drastischer ausfallen werden, wenn wir uns heute einer
moderaten Steigerung verwehren.
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