PETER RITTER    

Linke-Prominenz im OZ-Gespräch (05.08.2009): „Kohlekraftwerk schadet der Region“

 

Peter Ritter und Dietmar Bartsch (Die Linke) besuchten die Insel Usedom gestern zur Auftakttour im Bundestagswahlkampf. Im OZ-Interview sprechen sie über ihre Ziele.

Zinnowitz OSTSEE-ZEITUNG: Sie haben den Startschuss für Ihren Bundestagswahlkampf in Karlshagen gegeben. Wie schätzen Sie die Resonanz des Wahlvolkes ein?

Peter Ritter: Ich bin sehr zufrieden. Innerhalb der ersten zwei Stunden suchten viele Einheimische und Urlauber aus etlichen Bundesländern das Gespräch mit uns. Von daher ist Usedom als Tourismushochburg natürlich ein gutes Pflaster, um eine breite Menschenschar zu erreichen.

Dietmar Bartsch: Den Auftaktort haben wir ganz bewusst gewählt, da Karlshagen seit Jahren erfolgreich von einer Bürgermeisterin unserer Partei geführt wird. Genauso verhält es sich mit dem Landkreis Ostvorpommern, in dem wir die Landrätin stellen. Die Leute sollen sehen, dass wir uns auch in politischer Verantwortung gut anstellen und dieser Region kann man nun wirklich nicht nachsagen, dass sie sich schlecht entwickelt hätte.

OZ: Herr Ritter, als Direktkandidat und Mann vor Ort im Bundestagswahlkampf ist es für Sie wichtig, lokale Themen zu besetzen. Worauf werden Sie sich konzentrieren?

Ritter: Kernpunkte sind für mich die Ablehnung des Deichrückbaus im Insel-Norden, die Ablehnung eines Kohlekraftwerks in Lubmin und der Einsatz für den Aufbau der Friedensschule in Anklam.

OZ: Das Kohlekraftwerk wird von Ihrer Parteifreundin und Landrätin Barbara Syrbe befürwortet...

Ritter: Das ändert nichts an der Tatsache, dass ich ein strikter Gegner des Vorhabens bin. Ein Kohlekraftwerk schadet der Region. Lubmin stünde die Entwicklung des Industrieparks zu einem Zentrum regenaritiver Energien deutlich besser zu Gesicht.

OZ: Ihr voraussichtlich größter Gegner um das Direktmandat, Matthias Lietz von der CDU, ist ein klarer Kraftwerksbefürworter. Er argumentiert mit hunderten Stellen, die im Umfeld eines Kraftwerkes für die Region entstehen.

Bartsch: Wie viele werden im Tourismus vernichtet? Ich glaube nicht, dass dieses Kraftwerk ein Gewinn wäre, auch aus ökologischer Sicht. Wir werden das Thema auf die Tagesordnung bringen, da es sich um eine Grundsatzfrage handelt. Zwar mag im konkreten Fall Lubmin nun die Genehmigungsbehörde entscheiden. Grundsätzlich stehen wir aber für den Einsatz regenerativer Energien. Das ist eines unserer Kernthemen neben dem Einsatz für soziale Gerechtigkeit, einer Besserstellung für die Ärmeren und der Forderung von mehr Solidarität seitens der Vermögenden.

OZ: Inwieweit werden Sie im Wahlkampf die CDU mit der „Affäre Adam“ attackieren, deren jetziger Mandatsträger Ulrich Adam wegen nicht verbuchter Spenden seine politische Karriere beendet.

Ritter: Wir verteilen Kulis mit der Aufschrift: Dieser Kuli gehörte Peter Ritter. Jetzt ist er Volkseigentum. Ansonsten lassen wir das Thema aber außen vor (Adam finanzierte aus nicht verbuchten Spenden unter anderem Wahlkampfkugelschreiber, d. Red.).

OZ: Mit Michael Andrejewski werden Sie auch einen direkten Gegner der rechtsextremen NPD haben. Wie gehen Sie damit um?

Ritter: Wie für uns als Linke üblich, werden wir das Thema offensiv angehen und klarmachen, dass die Rechten keine Lösungen für Probleme anbieten.

OZ: Herr Ritter, Hand aufs Herz, glauben Sie, dass Sie im jeher CDU-dominierten vorpommerschen Bundestagswahlkreis eine echte Chance haben.

Ritter: Auf jeden Fall. Das Rennen ist erstmals wirklich offen. Ich habe mir in Ostvorpommern beispielsweise durch Hartz-IV-Beratungen oder das Nachhaken bei Themen wie dem Deichrückbau einen Namen gemacht. Matthias Lietz sollte sich warm anziehen.

INTERVIEW:

ALEXANDER LOEW

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