Interview mit der "Thüringer Allgemeine" - 23./24.08.2008:
Peter RITTER (49), Landesvorsitzender der Linken in
Mecklenburg-Vorpommern, sieht schwere Zeiten auf den
designierten Ministerpräsidenten Erwin Sellering von der SPD
zukommen.
"Schlechtes Empfehlungsschreiben"
Was halten Sie von einem neuen Ministerpräsidenten
namens Erwin Sellering?
Ich kenne ihn aus unserer gemeinsamen Regierungszeit und
kann ihm ein gutes Zeugnis für diese Zusammenarbeit
ausstellen.
Sellering hat in letzter Zeit aber nicht viele nette
Worte für die Linke übrig gehabt. . .
Ja, diese verbalen Ausfälle verwundern und verärgern mich
sehr. Die Rolle des Wadenbeißers steht ihm überhaupt nicht.
Was erwartet den neuen Landesvater jetzt? Die SPD
hat eine schwierige Zeit vor sich. Die letzte Wahl haben
nämlich nicht die Sozialdemokraten gewonnen, sondern Herr
Ringstorff mit seiner bodenständigen und glaubhaften Art. In
diese Fußstapfen zu treten, wird schwer für Erwin Sellering.
Wird er seine Arbeit dennoch gut machen?
Er hat sich ein schlechtes Empfehlungsschreiben
ausgestellt, indem er - noch dazu als Sozialminister - der
Kürzung des Landesblindengeldes zugestimmt hat. Die Frage
ist, ob er die Interessen seiner Landsleute auch tatsächlich
vertritt.
Was muss Sellering nun als erstes anpacken?
Er hat jetzt die Chance zu einer Kabinettsreform, so wie
es SPD und CDU in ihrem Wahlversprechen auch manifestiert
haben. Eine Verkleinerung der Ministerriege wäre ein gutes
Signal, um zu zeigen, dass die Regierung die
Verwaltungsreform nicht nur auf kommunaler Ebene ernst
nehme. Außerdem hätte das den Nebeneffekt: Weniger Minister
bedeutet auch weniger Postengerangel.
Hat sich die Linke schon entschieden, wie sie bei der
Wahl des Ministerpräsidenten abstimmen wird?
Nein. Wir haben Anfang September unsere Klausur, da
werden wir das beraten. Aber da die Wahl ohnehin geheim ist,
wird wohl auch hinterher nichts an die Öffentlichkeit
gelangen.
Können Sie sich eine Regierungsbeteiligung unter Erwin
Sellering vorstellen?
Wir haben uns vorgenommen, bei der Wahl 2011 die
rot-schwarze Regierung aus dem Amt zu jagen. Und sicherlich
nicht, um Platz für Schwarz-Gelb zu machen.
Ist das ein Ja?
Bis 2011 ist es noch lange hin. Wir werden das zur
rechten Zeit anhand der politischen Übereinstimmungen
entscheiden. Uns geht es nicht alleine um die Macht, so wie
der SPD. Wenn es keine Schnittmengen mit einer anderen
Partei gibt, dann gibt es eben auch keine
Regierungsbeteiligung der Linken.
Gespräch: Steffi DOBMEIER