|
Der
kleine Unterschied -
zur Debatte über die „Dessauer Erklärung“
Wer in
einem Bundesland regiert, und wie dieses Land regiert wird,
ist nicht egal. Und für die Linkspartei stellt sich daher
immer wieder die Frage, welche Verbesserungen für die
Einwohnerinnen und Einwohner im Land erreicht werden, welche
Alternativen in praktische Politik umgesetzt werden können.
Dieser
Fragestellung widmet sich die „Dessauer Erklärung“ der
Fraktionsvorsitzendenkonferenz. Es ist keine einseitige und
unkritische Liebeserklärung zu Rot/Rot in Berlin und sollte
deshalb auch so nicht interpretiert werden.
Politik
gestalten – und dazu gehört eben auch, unter Berücksichtung
verschiedenster Voraussetzungen, eine Regierungsbeteiligung
auf Länderebene – war und ist für die Linkspartei nie
Selbstzweck.
Die
Frage kann also nicht lauten: Was nützt oder was schadet der
Partei? Die Frage muss lauten: Was kann die Partei für die
Verbesserung der Situation der Kommunen, des Landes und der
dort lebenden Menschen erreichen?
Aktuelle
Beispiele:
Gesundheitsreform: Das rot/rote Berlin stimmt der
Gesundheitsreform im Bundesrat nicht zu. Das rot/schwarze
Mecklenburg-Vorpommern stimmt zu, auch ein Antrag der Fraktion
der Linkspartei im Landtag, eine Zustimmung zu verweigern,
konnte dies nicht verhindern.
Bildung:
Das rot/rote Berlin bringt die Gemeinschaftsschule auf den
Weg. Im rot/schwarzen Mecklenburg-Vorpommern wird das
gemeinsame längere Lernen bis zur Klasse 8 nicht mehr
umgesetzt.
Arbeitsmarktpolitik: Im rot/roten Berlin werden Modellprojekte
für versicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse als
Alternative zu Hartz IV auf den Weg gebracht. Ob im
rot/schwarzen Mecklenburg-Vorpommern ein ähnlicher Antrag der
Fraktion der Linkspartei umgesetzt wird, ist offen.
Wir
erleben in Mecklenburg-Vorpommern gerade hautnah, wie vieles
an alternativen Politikkonzepten der letzten acht Jahre
rot/schwarzer Politik geopfert wird. Im Klimaschutz, in der
Umweltpolitik, der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, der
Bildung.
Von
dieser Politik Betroffene merken schon jetzt, dass es nicht
egal ist, wer im Land regiert.
Deshalb
ist es falsch, Regierungsbeteiligungen jetzt wieder in die
Schmuddelkinderecke zu stellen und dazu die Berliner
Regierungsbeteiligung bei jeder passenden und unpassenden
Gelegenheit als Teufelszeug anzuprangern.
Dies ist
aber offensichtlich einfacher, als gemeinsam nach
konstruktiven Lösungen zu suchen. Eine Erfahrung, die auch wir
in acht Jahren Regierungsbeteiligung ausreichend sammeln
konnten.
Voran
gebracht hat uns diese Art der Debatte kein Stück.
Prof.
Dr. Wolfgang Methling, Vorsitzender der Fraktion der
Linkspartei und Vorsitzender der
Fraktionsvorsitzendenkonferenz
Peter
Ritter, Landesvorsitzender der Linkspartei M-V
Schwerin, 22.02.2007 |