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Grußwort auf
der außerordentlichen Tagung des 10.Landesparteitages der
Linkspartei.PDS Berlin, 19.November 2006
Liebe
Genossinnen und Genossen,
ich gebe zu,
gern hätte ich auf eurem Parteitag auch über die Ergebnisse
unseres neuen Koalitionsvertrages berichtet.
Ihr wisst-
die Realität ist eine andere.
Die SPD hat
uns den Stuhl vor die Kabinettstür gestellt.
Grund waren
nicht die bei uns ausgemachten „Wackelkandidaten“, vielmehr
war es das Misstrauen gegenüber der eigenen SPD-Fraktion,
schließlich hat die SPD über 10 % verloren.
So bleibt mir
nur Stichpunktartig zu berichten, was unter rot/schwarz nicht
stattfindet.
Das längere
gemeinsame Lernen, wie ursprünglich unter rot/rot vereinbart,
wird nicht bis Klasse 8 weiter entwickelt.
Die von der
CDU im Wahlkampf versprochene Gebührenfreiheit für KITA-Plätze
wird nicht umgesetzt.
Die von
Helmut Holter entwickelten Alternativen in der
Arbeitsmarktpolitik werden zurückgefahren. Ein Modellprojekt,
wie die in eurem Koalitionsvertrag vorgesehenen 2500 Stellen
als Alternative zu Hartz-IV pur, wird es nicht geben. Kein
Wunder, halten doch SPD wie CDU Hartz –IV, anders als wir,
nach wie vor für den richtigen Weg.
Das
Umweltministerium wird vollständig zerschlagen, von einer an
Nachhaltigkeit orientierten Umweltpolitik, ist nicht mehr die
Rede. So besteht durch die Umstrukturierungen in diesem
Bereich auch die Gefahr, dass künftig am Standort des
ehemaligen Kernkraftwerkes Greifswald/Lubmin nicht nur
Atommüll aus Lubmin und Rheinsberg eingelagert wird, sondern
Fremdeinlagerungen- gegen die wir uns bisher erfolgreich
gewehrt haben- das Szenario bestimmen.
Wie
selbstverständlich haben die neuen Koalitionäre festegelegt,
dass alle Leistungsgesetze auf den Prüfstand gehören.
So ist auch
zu befürchten, dass das Landesblindengeld, welches wir acht
Jahre gegen alle Kürzungsversuche verteidigt haben,
angegriffen wird.
Vielleicht
wird ja auch dieses Geld zur Finanzierung des G-8-Gipfels
benötigt.
Eigentlich
haben SPD und CDU auch in ihrem Koalitionsvertrag
festgehalten, dass es nicht mehr als 10 Millionen Euro für den
Gipfel aus Landesmitteln gibt.
Die Tinte
unter dem Koalitionsvertrag war noch nicht trocken, da
präsentierte die Finanzministerin eine ersten
Nachtragshaushalt, mit dem weitere 12 Millionen Euro- für
einen Sicherheitszaun um Heiligendamm- eingestellt werden
sollen, mittlerweile stehen 34 Millionen Euro zu Buche,
weitere Millionen sind offen.
In der Zeit
der Schweriner Koalitionsverhandlungen wurden im Bund die
Weichenstellungen für „Rente mit 67“ und zur unsolidarischen
Gesundheitsreform vorgenommen. Widerstand dagegen war aus
Schwerin nicht zu hören. So ist also zu befürchten, dass es
künftig aus Schwerin überhaupt keinen Widerstand gegen falsche
Weichenstellungen auf Bundesebene geben wird.
So wollen SPD
und CDU bei einer neuen Debatte um die Europäische Verfassung
auch dieser zustimmen, damit Mecklenburg-Vorpommern nicht das
einzige Bundesland mit einem Nein bleibt.
Wie
selbstverständlich hat auch Bundesverteidigungsminister Jung
bei seinem letzten Truppenbesuch in unserem Land erklärt,
dass er an der Wiederinbetriebnahme des
Luft-Boden-Schießplatzes in der Kyritz-Ruppiner-Heide
festhält. Man darf gespannt sein, wie lange der im
rot/schwarzen Koalitionsvertrag fixierte Widerstand gegen das
„Bombodrom“ hält.
Ja, es
schmerzt schon mit zusehen zu müssen, was uns jetzt, nach
jahrelangem ringen, durch die Finger rinnt, wie alternative
Politikansätze- wenn auch oft nur kleine Schritte-
zurückgedreht werden.
So ist eure
Entscheidung über euren Koalitionsvertrag eben auch eine
Entscheidung darüber, ob weiterhin die Möglichkeit besteht,
Alternativen der Linkspartei in praktische Politik umsetzen zu
können.
Vieles in dem
vorliegenden Vertrag kann sich wirklich sehen lassen, allen
aber ist klar, dass die Umsetzung mit vielen Hürden versehen
sein wird.
Macht also
möglichst wenig Fehler.
Unserer
solidarischen und kritischen Begleitung könnt ihr sicher sein. |